Paloma Blanca

Sommer 1975, 8 Wochen Ferienzeit, bevor ich in die 6. Klasse kam. Und ich durfte das erste Mal ins Ferienlager, war ich aufgeregt! Alleine verreisen, zwei Wochen lang, so richtig mit kleinem Köfferchen, „Kulturbeutel“ und Bestecktasche! Die Reise ging allerdings nicht sehr weit, gerade mal bis nach Heubach, nur 30 km von daheim entfernt. Aber egal, ich ging auf Reisen!

Die Betriebe der Eltern boten solche „Ferienlager“ kostenlos für die Kinder der Betriebsangehörigen an. Mein Papa arbeitete damals beim VEB (Volkseigener Betrieb) Bau in Hildburghausen. Klar ging es nicht in Hotels. Das Höchste der Gefühle waren Jugendherbergen. Meistens jedoch handelte es sich um einfachere Unterkünfte wie Zelte, Reihenbungalows oder Baracken, die mit Mehrbettzimmern und Sanitäranlagen auf den Fluren ausgestattet waren. Es gab Vollverpflegung und jeden Tag Unternehmungen. Wir wanderten, gingen ins Schwimmbad, trieben viel Sport und besichtigten alles Mögliche, was die Umgebung für Kinder anbot.

In meinem ersten Ferienlager waren wir in der Heubacher Schule untergebracht. Wir übernachteten auf Luftmatratzen in einem Klassenraum, Mädchen und Jungen natürlich in getrennten Räumen. Der Koffer lag neben der Matratze, mehr Platz war da nicht, es stand höchstens noch ein Stuhl da, ich weiß nicht mehr genau. Es hat uns jedenfalls gereicht, wir waren nicht sehr anspruchsvoll und sowieso nur zum Schlafen in dem Klassenzimmer.

Am Ortsrand von Heubach, oben auf dem Berg, war noch ein anderes Ferienlager. Soweit ich mich erinnern kann, gingen wir jeden Abend geschlossen dort hin, denn da war immer Disko im Freien angesagt. Der deutsche Hit des Sommers war „Paloma Blanca“. Natürlich wurde er mehrmals am Abend gespielt und wir konnten ihn alle mitsingen: „Uh La Paloma Blancaaaaaa …..“

Ich hab damals einen Jungen aus dem anderen Ferienlager kennen gelernt. Harald. Wir haben jeden Abend miteinander getanzt. Ich freute mich den ganzen Tag lang darauf, ihn abends wieder zu treffen. Ach, war das schön! Wir waren „verknallt“ ineinander, so sagten wir damals. Am Sonntag besuchten mich meine Eltern. Eigentlich hatte ich gar keine Sehnsucht und es war mir auch ein bisschen peinlich, aber sie bestanden darauf und andere Kinder bekamen zum Glück auch Besuch. Ich erzählte ihnen von Harald und wurde bestimmt rot dabei. Sie wollten auch den Nachnamen wissen. Natürlich kannten meine Eltern seine Familie (wen kennt mein Papa auch nicht?! -lach). So erfuhr ich, dass er in meinem Heimatort Verwandtschaft hatte, noch dazu eine Cousine, die ausgerechnet in meine Klasse ging. Das fand ich prima, so würde sich auch ein Kontakt nach dem Ferienlager möglicherweise etwas einfacher gestalten können …

Am letzten Abend tauschten wir unsere Adressen aus. Schon eine Woche nach dem Ferienlager bekam ich einen Brief von ihm. Der wurde mir aber erst am Abendbrottisch vor der ganzen Familie feierlich übergeben. Alle guckten mich erwartungsvoll an, als ich ihn öffnete und dann sollte ich ihn auch noch laut vorlesen. Das war mir vielleicht unangenehm! Schließlich war das doch MEIN Brief. Ich fügte mich aber und las laut vor. Der Brief war nicht lang. Aber den einen Satz vergesse ich nicht: „Ich muss immer an dich denken, wenn im Radio Paloma Blanca gespielt wird.“

Heute Abend hat mein Mann eine aufgezeichnete „Hitparade“-Sendung vom September 1975 im Fernseher angeschaut. Da kam das Lied und mit ihm die Erinnerungen …

http://www.youtube.com/watch?v=iUqpXV7vch8

Foto 19.10.14 19 01 29

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