Wanted – Eheversprechen nicht eingelöst!

Februar 1966. Faschingszeit. Im Kinosaal war Kinderfasching angesagt und meine Mutter hatte mich als kleine Prinzessin verkleidet, mit glitzernden Sternchen auf dem hellblauen Kleidchen, zartem Schleier aus Tüll und einem kleinen Krönchen auf dem blonden Lockenköpfchen.

Bevor ich jedoch im allgemeinen Gewimmel meine Sachen ruinierte, stand das obligatorische Faschingsfoto an. Nach den Anweisungen meiner Mutter sollte ich mich vor der Haustüre auf die Treppe stellen und artig in die Kamera lächeln. Dazu hatte ich aber gerade gar keine Lust. Im Fotoalbum fand ich drei Fotos. Auf dem ersten Foto drücke ich mich an den Türrahmen und habe die Finger im Mund, was ganz und gar nicht den Vorstellungen meiner Mutter entsprach. Auf dem zweiten Foto sieht es so aus, als ob ich die Flucht ergreifen wollte.

Letztendlich scheint die Sache doch noch ein gutes Ende gefunden zu haben, denn es existiert ein Foto, da sitze ich ganz artig auf dem Schoß eines Gefreiten der Nationalen Volksarmee der DDR. Wie ich später erfuhr, kamen just in dem Moment, als ich herum zickte, ein paar Soldaten des Weges und amüsierten sich über meine Sturheit. Einer ergriff erst die Initiative und dann mich, hob mich kurzerhand auf seinen Schoß und so entstand das dritte Foto in meinem Album.

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Ich hielt mucksmäuschenstill, weil mir die Uniform großen Respekt einflößte und war heilfroh, als er mich wieder laufen ließ. Meine Mutter war natürlich glücklich, dass der fremde Soldat mich gebändigt hatte und dadurch ein brauchbares Foto zustande gekommen war. Zum Abschied habe der Soldat gesagt, dass er in 20 Jahren wieder kommen und mich heiraten würde, was bei seinen Kumpanen Beifall und Gelächter auslöste.

Nun frage ich mich, wo ist der Kerl damals geblieben? Erst Versprechungen machen und dann untertauchen? 😉

Ich habe mir also einen anderen gesucht 😉 Trotzdem würde ich gerne wissen, wer das damals war, ob er noch lebt und wenn ja, wo. In den Grenzkompanien von Streufdorf und Römhild waren Grenztruppen der NVA stationiert, möglicherweise hat der Mann dort seinen Wehrdienst geleistet.

Übrigens: Manchmal mussten die Soldaten zu Kompanieübungen ausrücken und mit voller Ausrüstung 10, 30 oder bis 50 km zu Fuß gehen. Sie waren zwar nach der harten Grundausbildung gut trainiert und hatten Ausdauer, aber in den Stiefeln war es für viele die reinste Tortur, wenn sie sich Blasen an den Füßen gelaufen hatten. Meine Oma hatte immer Mitleid mit ihnen: „Müssen die denn die armen Jüngle so dressieren?“ – das war ihr Spruch. Helfen konnte sie ihnen aber auch nicht.

2 Gedanken zu „Wanted – Eheversprechen nicht eingelöst!

  1. tja, unsere „Grenzer“, Sie hatten halt meistens Humor 🙂 und nutzten gerne mal die eine oder andere sich bietende Gelegenheit, für ein kleines Späßchen zwischendurch. Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die mit einem Schmunzeln im Gesicht meine Kindheitserinnerungen lesen. Todernst??? – och nööö, das ist nicht so mein Ding, dazu hab ich noch lang genug Zeit, wenn ich mir erst mal das Gras von unten angucken muss.
    PS: Wer mir den Gesuchten bringt, ist im nächsten Sommer gemeinsam mit ihm und natürlich den jeweiligen Partnerinnen von meinem Mann, meinen Eltern und mir herzlich zu lecker Thüringer Rostbratwürsten eingeladen – Na? Ist das ein Angebot?

  2. Das mit dem Forum hat sich einfach so ergeben, aber wer weiß, liebe Petra, vielleicht erkennt ihn da je tatsächlich jemand … Und wenn nicht, dann ist es auch nicht weiter schlimm. Dann wissen wenigstens meine Kinder später einmal, wie dieses Foto zustande kam.

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