Baumeltage

Alles baumelt so vor sich hin, unten meine Beine, oben meine Zöpfe, die ich mir geflochten habe, damit mir der Wind nicht dauernd die Haare ins Gesicht pustet, in der Mitte baumelt meine Seele so gemütlich und völlig relaxed vor sich hin – was für ein wunderbares Lebensgefühl! Die Sonne streichelt warm meine unverhüllte Haut. Sieht ja keiner, hab meinen Strandkorb Richtung Dünen gedreht – da läuft kein Mensch lang. Möwen, Wespen und Schäfchenwolken ziehen vorbei, die interessieren sich jedoch nicht für mich 😉 Ich höre das Meer und das Lachen spielender Kinder, empfinde es angenehm. Manchmal nicke ich ein und träume.

Ich lasse Gedanken zu, die mir kommen und muss schmunzeln. Heute vor einer Woche und einem Tag packte ich Luftmatratze, Bettzeug, zwei 10-Liter-Wasserkanister, Campingdusche, ein paar Lebensmittel, einen klappbaren Regiestuhl und ein paar Klamotten in meinen PKW und fuhr los. Traum erfüllen: auf und davon, allein, nach irgendwohin …

Mein erstes Ziel war allerdings geplant. Pfaffschwende im Eichsfeld. Dort nahm ich an einem Forumstreffen teil mit Vortrag, Besichtigung der ehemaligen Grenzkompanie Weidenbach und einer Kapelle dicht an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Es war sehr interessant, besonders die persönlichen Erlebnisse der Menschen und die spannenden Geschichten aus vergangenen Tagen. Sabine, eine Lehrerin aus Annaberg-Buchholz, war meine erste Begegnung bei diesem Treffen. Vielleicht bleiben wir weiter in Kontakt …

Von dort aus machte ich einen Abstecher Richtung Fulda zu einem Geburtstag, dann wieder zurück zum Forumstreffen, um am Sonntag weiter zu fahren ohne festes Ziel Richtung Ostsee.

Die erste Nacht im Auto war nicht so gemütlich. Selber schuld. Wir hatten bis nachts um 1:00 draußen gesessen, gelabert und dabei sind meine Füße kalt geworden. Die nächsten Nächte war ich schlauer.

An frühen Sonntag Abend erreichte ich die Insel Poel. Eine Insel ist immer gut für eine Auszeit vom Alltag, dachte ich mir unterwegs so kurz vor HH, als sich der Verkehr sehr zähflüssig an einer Unfallstelle vorbei quälte und ich in Ruhe über mein Reiseziel nachdenken konnte.

Tja, und da bin ich nun immer noch, genieße die Seeluft und lerne jeden Tag neue Menschen kennen. Ich habe Abstecher nach Wismar und Boltenhagen gemacht und einen Bekannten besucht, der sich das wohl schönste Haus hier auf der Insel hat bauen lassen, mir eine exklusive Privatführung bot und dessen Frau das leckerste Bohnengemüse, dass ich in meinem ganzen Leben je gegessen habe, für uns gekocht hat.

Am ersten Abend hier checkte ich erstmal die Lage – WC, eventuell Dusche, Parkgebühren etc. Meinen Parkplatznachbarn (mit Wohnmobil) begegnete ich nach meinem ersten Strandbesuch zum Sonnenuntergangsfotoshooting zufällig noch mal in dem kleinen Bistro am Hafen. Später saßen wir gemütlich zusammen, tranken Büchsenbier, verscheuchten gefräßige Mücken, erzählten bis zum Müdewerden und ich tapste im Dunkeln zurück zu meinem Auto, das ich zum Glück gleich fand. Am nächsten Tag waren die Leute weiter gezogen auf ihrer Ostseeküstentour.

Abends am Strand begegnete ich einmal einem älteren Ehepaar. Er kümmerte sich rührend um seine Frau. Er fotografierte ebenfalls den Sonnenuntergang, seine Fotos waren  – naja … Wir kamen ins Gespräch. Dabei merkte ich, dass seine Frau vermutlich krank war, denn sie hatte Mühe mit dem Sprechen und Bewegen. Ich fragte, ob ich sie beide mit ihrem Apparat vor dem Sonnenuntergang fotografieren darf. Ich durfte. Dabei stellte ich ihren Fotoapparat so ein, dass seine nächsten eigenen Fotos besser gelingen würden. Er machte dann auch noch ein paar schöne Fotos und war richtig glücklich. Hand in Hand schlenderten sie etwas später zurück Richtung Leuchtturm. Ich rief zuhause an, wie jeden Tag, und erzählte von dieser Begegnung.


Eines Tages stand neben meinem Auto ein geschlossener Anhänger. Ich überlegte, was da wohl drin sein könnte. Am nächsten Morgen wusste ich es – eine Harley! Manfred, der Besitzer, wohnte gegenüber auf dem Campingplatz und machte an diesem Tag eine Spritztour. Er lud mich spontan ein, leider hatte ich keine passenden Klamotten dabei, schade.

Mein Frühstück findet ganz locker neben dem Auto statt: Regiestuhl, Einkaufskorb als Tischersatz – fertig. Brot besorge ich am Tag vorher, alles andere habe ich im Auto. Ich lasse mir Zeit, das Autoradio spielt dabei und ich lese ein paar Seiten in meinem Buch. Während dessen lüftet mein Bett und das Handy lädt auf – alles im Griff 🙂 Danach kommt der Wasserkanister aus dem Auto und meine morgendliche Katzenwäsche und das Zähneputzen folgen. Der Tag kann starten. Leider habe ich morgen das letzte Frühstück hier vor mir, dann geht’s wieder Richtung Heimat.

Wie gerne würde ich noch ein, zwei Wochen dran hängen. Ich staune jeden Tag, dass ich mit so wenigen Sachen auskomme und zufrieden bin. Hab sogar noch viel zu viel dabei. Schöne Erfahrung!

Ob ich das „Baumeltage-Feeling“ mit in den Alltag nehmen kann? Werd mir ein kleines Kistchen besorgen, das Gefühl hinein packen, bei Bedarf mit geschlossenen Augen rein gucken, mich erinnern und es schnell wieder zu machen, damit der Inhalt nicht so schnell aufgebraucht ist. Und nächstes Jahr fülle ich es wieder neu auf – weiß der Geier, wo ich dann rumbaumeln werde …

Ich guck mal eben Himmel an

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Gestern Abend – die Hitze des Tages wollte einfach nicht weichen und ich sehnte mich nach einem winzigen Hauch frischer Luft auf meiner Haut, der vielleicht ein bisschen Kühlung versprechen würde – zog es mich in den Garten, wo ich oft den Tag mit Blick auf die zwei Berge ausklingen lasse. Manchmal, so wie gestern, habe ich die Kamera dabei. Nach meinem Fotokurs bin ich immer noch am Üben, Ausprobieren und Entdecken der Funktionen, die sich an ihr befinden. Ich guck mal eben Himmel an, sagte ich zu meinem Mann.

Die Wolken und die Sonne wechselten sich ab in ihrer Vorherrschaft und irgendwo in der Ferne grollte schon ein Gewitter. Ich beobachtete einfach nur, naschte zwischendurch Kirschen vom Baum, habe bestimmt hundert Fotos aufgenommen, mir wieder mal die Augen verblitzt vor lauter Sonne gucken und dadurch bunte Sternchen auf dem dunkler werdenden Rasen gesehen – hat aber auch was … Menno, dabei hab ich doch jetzt so ne schöne Sonnenbrille sogar mit eingeschliffener „Nahsicht“ – grins – damit ich die Zeichen auf dem Rädchen der Kamera auch erkennen kann. Nach dem Sonnenuntergang kam das Unwetter und es goss in Strömen. Das Wasser füllte in nullkommanix die Regentonnen und schoss in hohem Bogen darüber hinweg. Wären die Blitze nicht gewesen, dann hätte ich mich mitten in den Garten gestellt und die kalte Dusche genossen. Leider bin ich ein Feigling, denn ich glaube, auch wenn das Risiko eher gering ist, Blitze können verdammt weh tun und vielleicht sogar klein und schrumpelig machen – keine Ahnung – egal. Damit wollte ich mir auf alle Fälle noch ein bisschen Zeit lassen 😉 So guckte ich nur zu, bis sich das Wetter wieder beruhigt hatte und die Hitze zurück kam. Das hätte sie sich sparen können, denn als ich die Pfütze unter dem Schlafzimmerfenster, genau am Fußende des Bettes weg wischte, war mir genau so heiß wie vorher. Vor der nächsten Unwetterfotosession sollte ich unbedingt zuerst die Fenster im Haus schließen. Macht absolut Sinn!

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Grüße in die Welt – Greetings in the world – Salutations dans le monde

Danke für euer Interesse. Bin immer wieder beeindruckt, wo überall auf der Welt meine Geschichten gelesen werden.
Vereinigte Staaten FlaggeVereinigte Staaten
Europäische Union FlaggeEuropäische Union
Niederlande FlaggeNiederlande
Frankreich FlaggeFrankreich
Österreich FlaggeÖsterreich
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Vereinigte Arabische Emirate FlaggeVereinigte Arabische Emirate
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Russische Föderation FlaggeRussische Föderation
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Thank you for your interest. Merci de votre intérêt. Bedankt voor je interesse. شكرا على اهتمامك. Gracias por su interés. Go raibh maith agat as do chuid spéise. Köszönjük az érdeklődést. Děkujeme za váš zájem. ご関心をお寄せいただきありがとうございます。Obrigado pelo interesse. Hvala vam na vašem interesu. Diolch i chi am eich diddordeb. ขอขอบคุณสำหรับความสนใจของคุณ Σας ευχαριστούμε για το ενδιαφέρον σας. Спасибо за ваш интерес. Grazie per il vostro interesse. Täname huvi. დიდი მადლობა თქვენი ინტერესი. Terima kasih atas minat Anda. Dėkojame už Jūsų susidomėjimą. Paldies par jūsu interesi. با تشکر از شما برای منافع خود را. Tack för ditt intresse. Хвала на интересовању. Zahvaljujemo se vam za vaše zanimanje. Ilginize teşekkür ederim. Cảm ơn bạn đã quan tâm. Дзякуй за ваш інтарэс. Hvala vam na vašem interesu. Kiitos mielenkiinnosta. ຂໍຂອບໃຈທ່ານສໍາລັບການມີຄວາມສົນໃຈຂອງທ່ານ. Tibi gratias ago pro cura. Asante kwa maslahi yako. Eskerrik asko zure interesagatik. Mauruuru no to outou moni. 感謝您的關注。 Kea le leboha ka hao thahasello. Siyabonga intshisekelo yakho wena. Þakka þér fyrir áhuga þinn. Ua tsaug rau koj cov nyiaj. আপনার আগ্রহের জন্য আপনাকে ধন্যবাদ. សូមអរគុណចំពោះការចាប់អារម្មណ៍របស់អ្នក។ آپ کی دلچسپی کے لئے آپ کا شکریہ. உங்கள் ஆர்வத்திற்கு நன்றி. Сонирхсон танд баярлалаа. ຂໍຂອບໃຈທ່ານສໍາລັບການມີຄວາມສົນໃຈຂອງທ່ານ. మీ ఆసక్తికి ధన్యవాదాలు. ඔබගේ දායකත්වයට ස්තූතියි. Matur nuwun kanggo kapentingan. Ju faleminderit për interesin tuaj. Salamat sa imong interes. Na gode da amfani. O ṣeun fun rẹ anfani.

Von süßen Abschieden und Wiedersehen

Wie die paar REHA Wochen verflogen sind! Es war so wunderbar erholsam, viel Zeit für mich, kein bisschen Stress oder Hektik, viele nette Menschen, die mir begegnet sind. Die meisten davon sehe ich sicher nie wieder und die Erinnerung an sie wird nach und nach verblassen. Andere werden mich vielleicht noch ein Stück meines Lebens begleiten, bevor der Kontakt abbricht. Wird es auch den einen oder anderen Menschen geben, der bleibt? Werde ich diese Menschen wieder sehen?

Anika, Andrea und Uta hatte ich bei meiner letzten REHA 2011 kennen gelernt. Wir hingen vier Wochen lang so gut wie jeden Tag zusammen. Es hat einfach von Anfang an gepasst zwischen uns – eine Wellenlänge 🙂 Nach der Reha blieben wir über Facebook, WhatsApp und/oder Telefon in Kontakt. Mal mehr, mal weiniger – zumindest haben wir uns nie aus den Augen verloren. Wir HABEN uns wieder gesehen! Es gab ein lustiges Kur-Revival an den alten „Tatorten“. Das war richtig schön! Andrea hat mich auch mal zuhause besucht. Bestimmt ergibt sich irgendwann die Zeit für einen Gegenbesuch – wir bleiben am Ball.

Was habe ich mich gefreut, als Anika und Andrea mich bei dieser REHA besucht haben! Noch ein Wiedersehen! Natürlich wurde das mit frisch gebackenen Waffeln und einer gehörigen Portion heißen Kirschen mit Sahne darauf gefeiert – hmmmm – wie damals in Bad Sooden-Allendorf.

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Und nächste Woche, wenn ich zur CeBIT nach Hannover fahre, da treffe ich endlich auch Uta wieder, wie ich mich darauf freue!

Bei dieser REHA lernte ich unter anderem Elena, Anja, Sandra und Natalia kennen. Mit Anja verbindet mich der gleiche Beruf und natürlich mussten wir uns längst darüber austauschen, wie uns der Wiedereinstieg ins Berufsleben gelungen ist. Ich denke daran, wie wir abends zusammen gesessen und gehäkelt haben. Sie eine Mütze für ihren Mann, ich einen Pullover für mich. Elena hab ich das Stricken beigebracht. An ihrem letzten Abend saßen wir noch lange zusammen und ich war sehr beeindruckt, wie toll ihr Schal geworden ist.

Winfried und ich senden uns immer mal wieder lustige Fotos und Filmchen per WhatsApp hin und her und mit Natalia und Elena habe ich auch schon mal kurz telefoniert. Sandra sehe ich auf Facebook und wir schreiben uns gelegentlich ein paar Zeilen auf dem Handy hin und her, sie heiratet bald, ist schon sehr aufgeregt und hat jede Menge zu organisieren für ihren großen Tag.

Wenn ich an die Abschiede denke, dann einerseits etwas traurig, andererseits muss ich schmunzeln, wenn ich an die kleinen Aufmerksamkeiten denke, die ausgetauscht wurden. Elena hat eine wunderschöne Karte für mich gefunden, die so gut zu mir passen würde, wie sie fand und schrieb mir ein paar ganz liebe Worte als Erinnerung hinein. Mir gefällt die Karte. Wenn ich sie angucke, denke ich an Elena und an den lustigen Abend in „Fänkis Hütte“ oder an die leckeren Törtchen im „Kaffeehaus 1825“. Ja, wir haben gelegentlich kulinarisch gesündigt 😉 und es nicht bereut.

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Und dann waren da die süßen Grüße. Sogar in meinem Postfach fand ich sie! Die „Durchbeißer“ – die waren vom Udo, damit hat er mich jeden Abend versorgt, wenn wir nach dem Abendessen noch ein Stündchen zusammen an dem großen Tisch in der Lobby saßen, uns unterhielten oder uns mit dem lahmen W-LAN herum plagten, um unsere Mails zu checken usw. Ich wollte ja eigentlich den Süßigkeiten widerstehen, aber irgendwie ging das nicht. Erst wenn kein Durchbeißer mehr auf dem Tisch lag, zog ich mich auf mein Zimmer zurück. In der Regel ging das relativ schnell …

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Den Glückskäfer hab ich beim Frühstück auf meinem Platz im Speisesaal gefunden, mit dem hat mir Anja bei ihrem Abschied den Tag versüßt. Wer mir die längsten Pralinen der Welt ins Postfach gelegt hat, das weiß ich leider nicht so genau, da kann ich nur spekulieren … Auf jeden Fall habe ich mich auch darüber gefreut und musste schmunzeln.

Bin ich denn wirklich so eine Naschkatze?

Verführungen

… sie lauern überall. Ich brauche nur die Augen zu schließen, dann stelle ich sie mir lebhaft vor. Ganz klar und deutlich sehe ich sie verlockend vor mir liegen, zum Greifen nah, unwiderstehlich, zum Reinbeißen, meinem lüsternen Gaumen gnadenlos ausgeliefert – hach … seufz!

Aber ich bin stark! Ich hab mich voll unter Kontrolle, absolut, total – wenn ich will. Will ich? Ja, ich will! („Grrrrrrrrrrrr!“ grummelt der Teufel in mir, während mir das Engelchen anerkennend auf die Schulter klopft).

Also gehe ich entschlossen an diesem Stand im Eingangsbereich des Supermarktes vorbei, wo diese freundlich lächelnde Frau steht und frisch gebackene Waffeln anbietet, die sowas von lecker duften, dass mir das Wasser im Munde zusammen läuft. Nein, ich schaue gar nicht hin. Keines Blickes würdige ich sie! Wer so hinterlistig und gemein ist und arglose Kundinnen solche Versuchungen zumutet, den gucke ich nicht mit dem Hintern an. So – das hat sie nun davon! Haha, so schnell, wie ich an ihr vorbei bin, so schnell kann sie nicht mal Schokosahne sagen.

Ich atme tief durch und konzentriere mich auf in Plastikbechern verpackte, bereits in mundgerechte Stücke geschnittene, frische Ananas, die mir als nächstes ins Auge fallen. Och nö, muss nicht sein. Das Obst in der Klinik reicht mir aus. Jeden Morgen ein Apfel oder  ´ne Birne, ab und zu Orangen, es gab auch mal Bananen – passt schon, besonders die leckeren Salate mittags und abends, da könnt ich mich manchmal reinlegen.

Doch da nähere ich mich schon der nächsten Versuchung. Mein Blick fällt auf die Tüten mit den Schweinsöhrchen, hmmm! Ohne, dass ich es will, greife ich danach. Mein Teufelchen hält schon erwartend die Luft an. So eine Tüte mit leckerem, leider völlig ungesundem, weil viel zu fettem Blätterteiggebäck verdrücke ich locker mal eben zwischendurch, zwischen Tagesschau und 21.00 Uhr oder so. Egal, auf jeden Fall scheint da irgendeine Zutat drin zu sein, die süchtig machen muss. Während ich die Tüte und besonders deren Inhalt mit schmachtendem Blick betrachte, mein Teufelchen aufgeregt in die Hände klatscht und mir schon wieder das Wasser im Munde zusammen läuft, höre ich ein dünnes Stimmchen im Hintergrund rufen: „Nein! Tu es nicht! Denk an deine Triclyceride!“ Ach ja, mein Engelchen spielt wieder Mal Gewissen! Gehorsam stelle ich die Tüte zurück – brave Heike!

Ich schaffe es, ganz locker und entspannt an all den anderen Verlockungen in dem gefühlt mindestens 100 Meter langen Regal voller Naschereien vorbei zu schlendern. Wow, bin ich cool! Also: Bauch rein, Brust raus, Kopf hoch: ja, ich bin schlank, schön und sexy – wozu brauche ich Süßigkeiten? Selbstsicher und jeglicher Versuchung erhaben schiebe ich lässig meinen Einkaufswagen in einen Seitengang, finde in der Bio-Abteilung Dinkelbrezeln, beschließe kurz entschlossen, diese als „Ersatz“ mal auszuprobieren (immerhin sind sie nicht süß), packe noch Zahnpasta und Deo in den Korb und stelle mich in der Schlange an der Kasse an.

Es schnuppert verdammt gut nach Waffeln, während ich auf das Abkassieren warte. Menno! Das ist gemein. Schnell bezahle ich und eile an der Waffeldame vorbei nach draußen. Ich frage mich, ob sie abends daheim auch noch nach Waffeln riecht … Bestimmt! Vielleicht sagt ihr Mann dann zu ihr: „Liebling, darf ich ein wenig an deiner Waffel knabbern?“ oder „Hey, mein heißes Eisen, wie wär`s heut` mit einer Extraportion Sahne?“  😉

Mir geht der Waffelgeruch jedenfalls nicht aus der Nase. Den halben Rückweg lang denke ich an nichts anderes. Trotzdem bin ich wahnsinnig stolz auf mich. Das Teufelchen schmollt mit mir, das Engelchen frohlockt und streichelt voller Mitgefühl die Hörner des Teufelchens.

Als ich die Lobby der Klinik betrete– ich hatte gerade darüber nachgedacht, ob ich gleich eine Dinkelbrezel esse oder bis nach dem Abendessen warte – trifft es mich wie einen Schlag. Die ganze Eingangshalle ist waffelduftgeschwängert –Neeeeeeeeeeeeeeiiiiiiiiiiin!!!!!!!!! Das war`s dann also. Alle guten Vorsätze sind dahin. Scheibenkleister!

Okay, gut. Ich bin auch nur ein Mensch. Ein Genussmensch. Überhaupt, ich finde, man lebt ja nur einmal, oder? Ich verbündete mich mit dem Teufelchen. Auf der Stelle tat ich das. Keine Chance für Engelchen und sein Gewissen. Pfeif auf die Triclyceride! Natürlich hätte ich ohne mit der Wimper zu zucken in mein Zimmer gehen und Dinkelbrezel essen können. Es wäre mir ein Leichtes gewesen. Aber das wollte ich gerade in diesem Moment nicht. Wenn ich in dieser Klinik etwas gelernt habe, dann unter anderem auch das, mir etwas Gutes zu tun, wann immer mir danach zumute ist. Das tat ich jetzt.

Und weil man bekanntlicherweise auf einem Bein schlecht stehen kann, nahm ich für das andere Bein auch gleich noch was mit. So gönnte ich dem rechten Bein eine frisch gebackene Waffel mit heißen Kirschen und Sahne sowie einen schwarzen Tee mit Kandiszucker und Sahne, das linke Bein bekam ein Stück Mandarinenkuchen und eine große Tasse Kakao ohne Sahne, man muss es ja schließlich nicht gleich übertreiben. Das fand ich sehr fair von mir, beide Beine gleichermaßen gerecht bedacht zu haben. Außerdem sind meine Beine sooo lang, da passt schon was rein, stimmt´s, mein allerliebstes Teufelchen?

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Und die Nacht hat noch so viele Stunden

Wie schön es ist, wenn ich einem Menschen begegne, dem ich mich anvertrauen kann, der zuhört, nachfragt, sich interessiert, aufmerksam ist – einfach nur da ist. Nur wenigen Menschen kann ich mich öffnen. Es braucht meist eine gewisse Zeit, um jemandem zu vertrauen.

Ich traf einen Menschen, bei dem ich nach einer Zeit das Gefühl hatte, da kann ich reden, auch wenn oder gerade weil da eine gewisse Distanz besteht, die vielleicht dafür genau richtig und angebracht ist. Es fand sich endlich eine Gelegenheit und ich fing an und erzählte. Scheibchenweise, in kleine Episoden verpackt, begann ich also. Es tat so gut, es war so befreiend. Die Zeit verflog dabei nur so. Worte sprudelten wie Wasser aus einer Quelle. Ich ließ sie sprudeln. Es tat wirklich gut.

Doch dann war plötzlich die (Rede-)Zeit um. Das Sprudeln musste aufhören, wurde abgebrochen, weil sich die Situation verändert hat. Es waren noch lange nicht alle Worte gesagt, die Geschichte mittendrin beendet.

Nun sitz ich da. Die unausgesprochen Gedanken wirbeln in meinem Kopf umher. Sie wollen heraus, aber da ist keiner mehr, der zuhört, dem ich sie anvertrauen kann. Mag ich sie überhaupt nochmal jemanden anvertrauen?

Ich fühle mich allein, enttäuscht, traurig. Ich bereue, überhaupt etwas gesagt zu haben, denn damit habe ich mich verletzlich gemacht. Vielleicht habe ich sogar ein ganz falsches Bild von mir hinterlassen, weil die Geschichte nicht vollständig erzählt war.

So grüble ich vor mich hin, komme nicht zur Ruhe, kann nicht einschlafen, warte. Worauf warte ich eigentlich?

Und die Nacht hat noch so viele Stunden.

Muschel im Schnee

Die Sonnenstrahlen bringen die Reste des Schnee´s am Wegrand zum Glitzern. In den Büscheln vertrockneter Grashalme, die aus dem Schnee heraus ragen und den vergangenen Sommer noch ahnen lassen, hat das milde Wetter von gestern den Schnee schon weg getaut. Nach dem Frost der kalten Vollmondnacht hat sich nun um die Grasbüschel herum, die wie verdorrte Inseln in der Glitzerpracht liegen,  eine Schneekruste gebildet.

Langsam gehe ich, wie so oft in den letzten Tagen, den Weg am Ufer entlang und hänge meinen Gedanken nach. Ich atme tief die frische Luft ein und spüre die angenehme Wärme der Sonnenstrahlen auf den Stellen meiner Haut, die ich nicht warm eingepackt habe, um sie vor den trotzdem noch winterlichen Temperaturen zu schützen.  Es ist noch früh am Morgen. Beim Frühstück habe ich den Sonnenaufgang gesehen und mich spontan entschlossen, mit der Kamera hinunter ans Wasser zu gehen. Ich habe Zeit. Eine Stunde, vielleicht anderthalb, dann muss ich mich auf den Rückweg machen. Könnte nur jeder Tag so entspannt beginnen!

Da sehe ich die Muschel. Sie steckt im Schnee, aufgeklappt, zwei Flügeln gleich, fast herzförmig, die Schale so dünn, dass das Sonnenlicht hindurch schimmert – irgendwie magisch. Sie wirkt zerbrechlich und fehl am Platz. Jeder könnte doch versehentlich auf sie treten und sie zerstören. Wie schade das wäre! Natürlich hat sie keinerlei Nutzen mehr, aber sie sieht so wunderschön aus. Ich gehe in die Hocke und betrachte sie von allen Seiten. Dann fotografiere ich sie. Ein Mann im Rollstuhl kommt vorbei und fragt mich, was es denn da so Interessantes zu sehen gibt. Ich antworte: „Ach, nur eine Muschel.“ Er hat wohl mit etwas anderem gerechnet und fährt weiter. Ich bin froh darüber, so kann ich alleine sein und die Muschel noch eine Weile bewundern.

Einen Moment lang denke ich daran, die Muschel mit in mein Zimmer in der Klinik und später mit nachhause zu nehmen, um diesen Augenblick des Findens, die Minuten des Bestaunens für mich zu bewahren. Später, wenn sie einen Platz bei mir daheim gefunden hat, würde sie mich erinnern an die Zeit hier, die Spaziergänge, die Menschen, denen ich begegnet bin. Ich könnte sie in die Hand nehmen und die Ruhe nachempfinden, die mir bei meinen Spaziergängen so gut getan hat. Doch ich lasse die Muschel liegen. Sie gehört mir nicht. Ich würde anderen Menschen die Chance nehmen, sie zu entdecken und sich daran zu erfreuen. Außerdem sieht sie so wunderschön aus, wie sie da im Schnee liegt und von der Sonne beschienen wird …

Am Abend ergab es sich, dass ich jemandem von dem Muschelfund erzählen konnte. Es war mir ein Bedürfnis und die Worte kamen einfach so aus meinem Inneren heraus gesprudelt. So unbedeutend und belanglos meine kleine Entdeckung auch erscheinen mag, so gerne teilte ich meine Empfindungen und Gedanken darüber mit einem mir sympathischen Menschen, von dem ich annahm, ebenfalls Sinn für die Schönheiten der Natur zu haben, was sich im Gespräch bestätigte. Ich versuchte Größe, Farbe, die Strukturierung der Muschelschale und wie das Sonnenlicht hindurch schimmerte bildhaft zu beschreiben, dabei sah ich die Muschel im Schnee noch einmal vor mir – wie die Flügel eines Engels …

Am nächsten Tag war die Muschel weg.

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