Daumen im Wind

Als Jugendliche und junge Erwachsene hatte ich keine S 50 und kein Auto. Letzteres sowieso nicht, nicht mal eine Anmeldung für einen Trabi hatte ich – schäm! Es fuhren ja genug Busse und Züge, fand ich. Aber ich hatte meinen „Tramper-Pass“ – so nannten wir damals die „Unfallversicherung für Mitfahrer in Kraftfahrzeugen als Anhalter“ – für alle Fälle.

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Und diese Fälle waren öfter. Entweder, weil ich wieder mal einen Anschluss nicht erreicht hatte oder die Deutsche Reichsbahn bzw. die Busse vom VEB Kraftverkehr nicht dorthin fuhren, wo ich grade hin wollte. Dann stellte ich mich an den Straßenrand, manchmal allein, manchmal mit einer Freundin und wir hielten den Daumen in den Wind. Es funktionierte immer und war meistens auch recht lustig.

Wenn ich an so manche Fahrten denke … einmal habe ich von unserer Bezirksstadt Suhl bis nachhause, das sind nur ca. 36 Kilometer, tatsächlich 5 Fahrzeuge gebraucht! Ein B 1000 nahm mich bis Erlau mit. Es waren zwei Männer, die für Kinder in einem Ferienlager Verpflegung besorgt hatten. Weiß ich noch ganz genau, die waren total lustig drauf. Die beiden saßen auf den vorderen beiden Sitzen, hinten waren keine Sitze drin – lach, nur Getränkekisten und Kartons mit Essen und dazwischen saß ich auf dem Boden. Weiter ging es von Erlau bis Schleusingen, von Schleusingen bis Hildburghausen, von Hibu bis Leimrieth und der letzte Fahrer wollte eigentlich nach Römhild fahren, erbarmte sich aber und fuhr extra den Umweg über unser Dorf. Ich kam immerhin eine gute Stunde vor dem Bus an, die Sonnabend-Mittag-Suppe war noch warm und es hat mich keine müde Mark gekostet.

Ein anderes Mal wollte ich mit Fexen, meiner Schulfreundin, von der Kreisstadt nachhause zu einer Zeit, wo halt grad kein Bus fuhr. Am Ortsausgang stellten wir uns hin und naja, übliche Prozedur, Daumen hoch und so. Es hielt auch gleich ein Auto, wir machten die Tür auf und drin saß … unser Schuldirektor! Wir wussten nicht so recht, wie wir reagieren sollten, grüßten erst mal höflich und fragten anstandshalber, ob wir denn mitfahren dürften. Er meinte, sonst hätte er ja nicht angehalten. Da war die Sache für uns geritzt und wir hatten es wieder mal geschafft.

Während meiner Fachschulzeit fuhr ich immer Sonntagabend los Richtung Schmalkalden, weil ich sonst Montag früh um 5:00 in der Kreisstadt den Zug hätte nehmen müssen, aber um diese Zeit noch kein Bus dorthin fuhr. Sonntag fuhr der Zug allerdings nur bis Wernshausen, dann war Pumpe. Ich musste aber weiter bis nach Schmalkalden. Jede Woche das gleiche Dilemma – es gab keinen Anschlusszug und auch kein Bus fuhr nach Schmalkalden. Also liefen wir (meistens waren wir zu dritt oder zu viert, alles angehende Kindergärtnerinnen) über die Zwick und probierten unser Glück mit dem Daumen. Fortuna war uns immer hold, und das, obwohl wir ein Haufen „Marschgepäck“ mit uns führten: Reisetasche bzw. Rucksack, Schulbücher und jeder seine Gitarre, denn am Wochenende wurde auch zuhause gelernt und geübt. Abenteuerlich war es in der dunklen Jahreszeit, da sahen wir nur die Lichter, aber nicht, WAS für Fahrzeuge ankamen . Einmal hielt die Polizei an und hat uns „aufgesammelt“. Och, waren die freundlich, wir haben alle in das Auto rein gepasst und sie haben uns tatsächlich bis vor unsere Internatstür gefahren. Wir waren drauf und dran, mit ihnen einen Deal für den nächsten Sonntag und alle darauffolgenden aus zu machen, haben uns dann aber doch nicht getraut.

In den Semesterferien bin ich mal durch die Thüringische Rhön getrampt, ach, das war auch schön. Morgens noch nicht wissen, wo man abends landet, bleiben, wo es einem gefällt – das war genau das Richtige für mich.

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Am Wochenende war immer irgendwo Tanz. Als wir mal nachts nach dem Tanz heim gelaufen sind (das haben damals fast alle so gemacht, waren ja nur knappe 6 Kilometer), hörten wir in der Ferne ein Motorengeräusch. Die Füße haben uns vom vielen Tanzen wehgetan, wir waren müde und sehnten uns nach dem Bett. Wir hofften, das Auto würde an der Abzweigung nicht in Richtung Römhild fahren und blieben lauschend mitten auf der Straße stehen. Wer „wir“ war, weiß ich nicht mehr, mit mir auf jeden Fall so etwa sechs bis acht Jugendliche aus unserem Dorf. Das Auto bog nicht ab. Wir jubelten und machten uns bereit (Übrigens hatten wir in einer anderen Nacht schon mal getestet, dass in einen 12er Wartburg notfalls 13 Leute rein passen, wenn man es geschickt anstellt und den Kofferraum mit nutzt. Man sollte sich aber sicher sein, dass die Volkspolizei nicht irgendwo stand und kontrollierte – oh oh – oder vorher die Nummernschilder runter machen und schneller sein, als die VOPOS – lach). Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, also: Als das Auto näher kam, dem Geräusch nach musste es ein größeres Auto sein, sehen konnten wir es in der stockdunklen Nacht ja nicht, winkten wir und hüpften auf der Straße herum, der Fahrer musste einfach anhalten, was wollte er auch anderes tun bei so einer wild gewordenen Horde – lach. Wir hatten großes Glück: Es war ein W 50 und wir passten alle hinten drauf. Um diese Zeit ein Auto zum Mitfahren zu kriegen, das war schon ein kleines Wunder. Wir erfuhren dann, dass in der Stadt ein Güterzug angekommen war und der Fahrer (übrigens aus unserem Dorf kommend) Bereitschaft beim WTB (= Waren des täglichen Bedarfs) hatte und zum Entladen an den Bahnhof musste. Es war so ca. 1:30 Uhr, als er Feierabend hatte und sich auch auf sein Bett freute. Dann hat er uns aufgegabelt und mitgenommen, wer lässt denn auch Leute aus dem eigenen Dorf stehen! Was für ein netter Mensch! Mit diesem netten Menschen bin ich übrigens verheiratet – das hat sich aber erst Jahre später ergeben und ist eine ganz andere Geschichte – grins.

Einmal war ich mit meinem Freund unterwegs. Wir wollten spontan eine Woche irgendwo zelten, alles war gepackt, wir wussten nur noch nicht wohin. Also haben wir früh morgens den Atlas aufgeschlagen und ich hab mit geschlossenen Augen reingetippt, mein Finger landete in der Nähe von Eisleben. Wir fanden sogar einen See in der Nähe, also stand unser Ziel fest: Süßer See. Erst fuhren wir mit dem Bus, dann mit dem Zug, das letzte Stück bis zum Ziel mussten wir trampen. Wenn ich daran denke, muss ich jedes Mal laut lachen. Mein Turnschuh ging unterwegs auf und als ich mich zum Zubinden mit dem schweren Rucksack, Schlafsack oben drauf usw. bückte, kriegte ich irgendwie das Übergewicht und kippte kopfüber die Böschung hinunter. Eine lehrreiche Erfahrung – lach. Hat nicht wehgetan. Doch, hat. Der Bauch hat mir wehgetan. Und wie! Vom vielen Lachen hinterher. Auf jeden Fall kam dann ein Auto, das uns mitnahm bis zum Zeltplatz. Der Fahrer war gut drauf. Sehr gut. Er war nicht allein. Er hatte einen sitzen, aber was für einen! Leider merkten wir das erst, als wir schon drin saßen. Wir waren heilfroh, als wir diese Fahrt hinter uns hatten.

In den ganzen Jahren, die ich per Anhalter gefahren bin, hat mich nie jemand danach gefragt, ob ich versichert bin oder nicht. Man ist halt einfach immer mitgenommen worden ohne große Fragen und ehrlich gesagt habe ich mir nie einen Kopf um meine Sicherheit gemacht. Auch ich habe immer Leute mitgenommen, die an der Straße standen, weil ich weiß, wie es ist, wenn man an der Straße steht und die Autos einfach vorbei fahren. Das letzte Mal, als ich jemanden mitnahm, ist noch gar nicht so lange her – ein Tramper, der in Rodach stand und nach Coburg zum Zug wollte. Er hätte mein Sohn sein können und ich hatte ein gutes Gefühl. Was hat er sich gefreut!

Und neulich in Berlin – da stand eine an der Straße am ZOB, höchstens 20 Jahre alt, mit ihrem selbst gemalten Schild „Leipzig“ und die Autos fuhren vorbei … Ich hoffte, sie hatte noch Glück.

Wozu brauch ich auf Mauritius einen Loop?

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Draußen nieselt es trostlos vor sich hin. Trotzdem stehe ich, ausgerüstet mit wetterfester Kleidung und meinen Nordic-Walking-Stöcken,  pünktlich am Ausgang der Reha-Klinik. Der MP3-Player steckt unter der Schirmmütze – er soll ja schließlich nicht nass werden bei dem Sauwetter. Außerdem ist mir die Tage eh der Clip zum Anstecken abgebrochen. Die Kopfhörer habe ich mir bereits in die Ohren gestöpselt. Beschallung mit AC/DC ist startklar – ich sehe mich gedanklich schon am 8. Mai auf dem Zeppelinsfeld in Nürnberg bei ihrem Konzert – freu!  Wie gut, dass mir der liebe Weihnachtsmann eine Karte dafür gebracht hat.

Nach und nach trudeln die anderen Patienten ein, die heute auch um 14.00 Uhr Walking auf ihrem „Stundenplan“ stehen haben. Die Therapeutin teilt uns mit, dass wir heute wegen des Wetters eine kürzere Strecke laufen werden, also nur ca. 40 Minuten unterwegs sind. Sie erklärt uns kurz den Weg und überlässt dann jedem das Tempo – find ich gut. Ich schätze, dass ich mit meinen langen Beinen vermutlich nur 30 Minuten brauchen werde. Aber egal, ich hab jetzt richtig Lust auf frische Luft, flotte Bewegung und „Rock or Bust“. Na dann woll`n wir mal …

Es geht bergab bis zur Baumschule, ein Stück entlang der Straße, „Play Ball“, vorbei an der Tankstelle. Dann glaube ich, das Wasser schon riechen zu können. Ein schwarzer Porsche kommt von links. Ich bleibe stehen – er hat schließlich die stärkeren Argumente als ich Fußgänger. Ein nicht mehr ganz taufrischer Herr mit graumelierten Haaren sitzt hinter dem Steuer. Er gibt mir gnädig ein Handzeichen, damit ich zuerst vorbei laufen darf, bevor er sein Grundstück mit der Villa darauf verlässt. Ich nicke ihm lächelnd unter der Schirmmütze hervor zu – das ist ja mal ein netter Geldsack, denke ich mir dabei 😉 „Rock the Blues Away“

Beim Laufen gucke ich mir gerne die Häuser und Grundstücke an. In manchen Fenstern hängt immer noch die Weihnachtsdeko. In vielen Gärten sehe ich Boote. Es muss schön sein, so dicht am Wasser zu wohnen, möchte aber nicht wissen, was hier die Grundstücke kosten. Das eine Haus erinnert mich irgendwie an die Villa Kunterbunt. „Miss Adventure“  Das Grundstück ist nicht sehr groß, wirkt total überladen, vielleicht etwas verspielt, Gesamteindruck irgendwie ungepflegt. Dabei hat es so eine schöne Lage. Naja, wenn die Leute es so mögen. Das Haus daneben ist noch nicht ganz fertig. Es ist das Gegenteil von seinem Nachbarhaus, klare Formen, große bodentiefe Fenster. Die ganze Vorderseite ist verglast. Es wirkt großzügig, offen und strukturiert – ich kann mir gut vorstellen, wie ich es mir einrichten würde, wenn es mein Haus wäre …           „Dogs of War“

Ich laufe nun direkt auf der Promenade am Ufer entlang. Der Wind kommt mir entgegen und treibt mir den Nieselregen ins Gesicht. Ich empfinde es als angenehm, denn ich bin erhitzt vom zügigen Laufen. Da ist ja schon der Campingplatz. Die Wohnwagen und Boote der Dauercamper stehen einsam da, es ist keine Menschenseele zu sehen. Erst am Wochenende zieht hier wieder Leben ein. „Got Some Rock & Roll Thunder“

Weiter vorne sehe ich den Yachthafen und die Segelschule. Ich erinnere mich an einen Segelausflug auf dem Scharmützelsee, J1 war damals vielleicht drei oder 4 Jahre alt. Ich glaube, unser Urlaubsort hieß Wendisch-Rietz und es war sehr schön. Wir wohnten in Bungalows direkt am See und hatten herrliches Wetter. „Hard Times“ – lach, nein, es waren schöne Zeiten 😉

Die Wettertafel zeigt eine Lufttemperatur von 3,7 Grad Celsius und 100 % Luftfeuchtigkeit an. Mir kommt es milder vor. Wahrscheinlich weil ich mich recht flott bewege. Neben dem Weg oder dort, wo am Wochenende nicht geräumt wurde, liegen noch armselige Schneereste. Der Winter ist in diesem Jahr eher faul. Frau Holle scheint entweder in den Winterschlaf gefallen zu sein oder sie kann an die Goldmarie den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn nicht zahlen. Hm, was für ein Dilemma! „Baptism by Fire“

Wo sind die anderen eigentlich? Zwei sind vor mir, der Rest unserer Gruppe irgendwo hinter mir, ich kann sie nicht sehen. Die letzten Meter am Wasser – dann führt mich der Weg bergan Richtung Straße. „Rock the House“

Das letzte Stück ist anstrengend, ich gehe etwas langsamer, damit mein Puls im grünen Bereich bleibt. Bei „Sweet Candy“ lege ich die paar Meter bis zur Klinik zurück und höre die letzten Takte von „Emission Control“, als meine Zimmertür ins Schloss fällt. Super! Das ganze Album bis zum letzten Ton gehört – das hat doch was!

Boah, meine Klamotten sind feucht und ich bin k.o. Die Erkältung von letzter Woche steckt doch noch ein bisschen in mir. Ich ziehe Jacke, Mütze und Schuhe aus, trinke ein Glas Wasser und sinke erschöpft auf mein Bett, nur kurz, dann will ich duschen und zu diesem Vortrag gehen, der auf meinem Stundenplan steht, nur ganz kurz ausruhen … zwei Minuten oder so …

… Ich liege entspannt da. Es ist wunderbar warm. Die Sonne scheint. Leise Musik und Vogelgezwitscher umgeben mich. Die Palmen vor der Terrasse wiegen sich im leichten Wind, der vom Meer herüber weht. Aus unserer Villa kommt Boy mit einem Tablett in der Hand. Ah, mein Drink! Ich räkle mich lasziv auf meiner Liege und schiebe die Sonnenbrille nach oben. Was für einen geilen Knackarsch er doch hat, denk ich mir und verfolge jede seiner Bewegungen. Er scheint meine Gedanken lesen zu können und lächelt süffisant, während er mir den Drink serviert. Ich weiß, dass er auf afrikanische Schönheiten wie mich steht. Er weiß, dass ich voll auf ihn abfahre, seine helle Haut, die blonden, schulterlangen Haare, sein markantes Kinn … Boy stammt aus Deutschland, er lebt und arbeitet nun schon seit 15 Jahren hier bei uns auf Mauritius. Da sich mein vielbeschäftigter Ehemann heute wieder den ganzen Tag und die halbe Nacht im Club sowie auf unserer Yacht aufhalten wird und „Geschäfte“ erledigen muss, wird ihn Boy, der eigentlich Andreas heißt, wie jeden Tag hier vertreten und all seine Pflichten übernehmen … ALLE! Hach, was für ein herrliches Leben! Ich brauche nur nach ihm zu läuten …

Oh, Mist, Telefon klingelt. Ausgerechnet jetzt, wo es spannend wird – menno! „Kommst du dann mit ins Dorf? Wir wollten nochmal in den Laden mit der Wolle.“ schallt es durch die Muschel. Wolle? Was war da doch gleich? Wir wollten uns einen Loop stricken. Ähm, ach ja stimmt. Aber ich hab heut echt keine Lust drauf, nochmal raus zu gehen, einmal Regen langt mir am Tag. Also sage ich ab. Muss eh duschen und zu dem Vortrag.

Außerdem – wozu brauche ich auf Mauritius einen Loop??? 😉

Aber sonst bin ich eigentlich ganz normal

Manche Menschen haben einen Tick. Ich zähle mich zu manchen Menschen. Möglicherweise haben sogar viele Menschen einen Tick. Ich denke, das trifft eher zu. Demnach bin ich also auch einer von vielen Menschen mit Tick. Sehr wahrscheinlich hat aber jeder Mensch seinen Tick … Die meisten trauen sich nur nicht, ihn zuzugeben geschweige denn, zu ihm zu stehen. Glaube ich zumindest. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Der Menschheit würde es viel besser gehen, wenn jeder zu seinen Ticks, Macken oder sonst was stehen würde. Ist doch nix dabei, Mensch! Schreit es in die Welt hinaus: Ja, ich stehe grundsätzlich immer mit dem rechten Fuß zuerst auf. Ja, ich klaue in jedem Restaurant die Speisekarte. Ja, ich bügle meine Socken. Ja, ich …

Heute war es bei mir wieder soweit. Mit Leidenschaft lebte ich meinen Tick aus, ich konnte einfach nicht widerstehen. Es passiert mir immer, wenn ich in eine Toilette gehe. Egal ob in einem öffentlichen WC, in der Toilette eines Restaurants oder bei jemandem privat zuhause, ich MUSS es einfach tun. Immer. Wofür hat man auch sonst einen Tick, wenn man ihn nicht pflegt.

Ich gehe also in eine Toilette im Suhler SRH und mein erster, kritisch prüfender Blick sucht nach dem Toilettenpapierhalter. (Ich hasse übrigens diese riesenhaften hohlen Dinger, mit den mammuthgroßen Rollen darin – ich bin diesbezüglich eher nostalgisch veranlagt und ziehe die Halter für Papierrollen in handelsüblichen Baumarktausmaßen vor. Die sind so schön übersichtlich und ich kann sie entsprechend meines Ticks gut kontrollieren.)

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja: ich gehe also in eine Toilette im Klinikum und mein erster, prüfender Blick sucht nach dem Toilettenpapierhalter. Und da! Da hing er. Und an ihm hing die Rolle mit dem Papier.Was soll ich sagen – das Papier hing falsch herum auf dem Rollenhalter! Volltreffer für meinen Tick! Auch wenn ich mich noch so sehr anstrenge – meine Hände werden ganz kribbelig und ich fühle mich nicht wohl, wenn das Klopapier falsch herum hängt. Also genauer gesagt: für meine Begriffe falsch herum, um das hier mal richtig zu stellen.

So, jetzt ist es raus – das ist mein Tick!!! (einer meiner Ticks wohlgemerkt) phhhuuu – welche Erleichterung, endlich frei darüber schreiben zu können. Ja, ich habe mich geoutet! Na und? Ich stehe dazu. Seht ihr, ihr Menschen, jetzt habe ich es der ganzen Welt mitgeteilt. Wie fühle ich mich befreit! Ja, ich drehe das Klopapier auf dem Halter um, wenn es für meine Begriffe falsch herum hängt. Egal wohin ich komme, ich tue es überall!

Falsch herum ist für mich das:

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Ich kann da einfach nicht hingucken. Nein, das gefällt mir überhaupt nicht! Ruckzuck nehme ich die Rolle und drehe sie um, so dass sie (für mich) richtig herum hängt, nämlich so:

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Viel besser, oder? Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, woher diese Macke kommt, bin aber felsenfest davon überzeugt, dass es Menschen mit schlimmeren Macken gibt, 100 pro!

Wie oben bereits angedeutet, habe ich noch andere Ticks. Zum Beispiel habe ich es nicht so wirklich mit den ungeraden Zahlen. Ich mag lieber die geraden Zahlen. Wenn ich die Wahl habe, dann parke ich im Parkhaus lieber auf dem Parkplatz mit der Nummer 214 als auf der 215. Ist allerdings nur der Parkplatz mit der Nummer 215 frei und ich habe keine Wahl, dann nehme ich in diesem Falle die Quersumme von 215, die bekannterweise 8 lautet und somit eine gerade Zahl ist. Das Spiel kann ich beliebig erweitern. Eine 9 ist für mich keine 9 sondern 3 mal 3. Und dass die drei eine Glückszahl ist, weiß doch jeder: aller guten Dinge sind schließlich drei. Die 7 hat auch was Gutes, denn sie besteht aus der 4 (gerade Zahl) und aus der Glückszahl 3. Im Notfall addiere, subtrahiere, multipliziere und dividiere ich, ziehe die Wurzel oder rede mir auf andere Art und Weise jede Zahl irgendwie „schön“. Tja, hättet ihr nicht gedacht, wie clever ich bin, hm? (oder nennt man das bekloppt?)

Um noch mal auf das Toilettenpapier zurück zu kommen: Meines Wissens gibt es in der EU noch keine Richtlinie, die vorschreibt, wie herum das Klopapier in den Toiletten zu hängen hat. Was für ein Dilemma! Ich finde das wäre doch mal ein Diskussionsthema, oder? Ich meine, da wird über manche Themen tagelang hin und her diskutiert (Natürlich will ich an dieser Stelle den Sinn mancher Diskussionen, deren Notwendigkeit bzw. das daraus resultierende Ergebnis in Form einer einheitlichen Richtlinie für die EU-Staaten keineswegs in Frage stellen, um Himmels Willen, nein! Wer das glaubt, liegt voll daneben! Würde ich mir niiiiiiiie anmaßen!) – warum also nicht mal eine so wesentliche Frage aufgreifen, damit in den Sanitärbereichen im europäischen Raum endlich eine einheitliche EU-Norm für Ordnung sorgt? Zwei Tage könnte man für so eine Diskussion in jedem Fall anberaumen.

Bleibt noch die Frage offen, wie sich das Ergebnis auf meinen Tick auswirken würde …