Ich guck mal eben Himmel an

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Gestern Abend – die Hitze des Tages wollte einfach nicht weichen und ich sehnte mich nach einem winzigen Hauch frischer Luft auf meiner Haut, der vielleicht ein bisschen Kühlung versprechen würde – zog es mich in den Garten, wo ich oft den Tag mit Blick auf die zwei Berge ausklingen lasse. Manchmal, so wie gestern, habe ich die Kamera dabei. Nach meinem Fotokurs bin ich immer noch am Üben, Ausprobieren und Entdecken der Funktionen, die sich an ihr befinden. Ich guck mal eben Himmel an, sagte ich zu meinem Mann.

Die Wolken und die Sonne wechselten sich ab in ihrer Vorherrschaft und irgendwo in der Ferne grollte schon ein Gewitter. Ich beobachtete einfach nur, naschte zwischendurch Kirschen vom Baum, habe bestimmt hundert Fotos aufgenommen, mir wieder mal die Augen verblitzt vor lauter Sonne gucken und dadurch bunte Sternchen auf dem dunkler werdenden Rasen gesehen – hat aber auch was … Menno, dabei hab ich doch jetzt so ne schöne Sonnenbrille sogar mit eingeschliffener „Nahsicht“ – grins – damit ich die Zeichen auf dem Rädchen der Kamera auch erkennen kann. Nach dem Sonnenuntergang kam das Unwetter und es goss in Strömen. Das Wasser füllte in nullkommanix die Regentonnen und schoss in hohem Bogen darüber hinweg. Wären die Blitze nicht gewesen, dann hätte ich mich mitten in den Garten gestellt und die kalte Dusche genossen. Leider bin ich ein Feigling, denn ich glaube, auch wenn das Risiko eher gering ist, Blitze können verdammt weh tun und vielleicht sogar klein und schrumpelig machen – keine Ahnung – egal. Damit wollte ich mir auf alle Fälle noch ein bisschen Zeit lassen 😉 So guckte ich nur zu, bis sich das Wetter wieder beruhigt hatte und die Hitze zurück kam. Das hätte sie sich sparen können, denn als ich die Pfütze unter dem Schlafzimmerfenster, genau am Fußende des Bettes weg wischte, war mir genau so heiß wie vorher. Vor der nächsten Unwetterfotosession sollte ich unbedingt zuerst die Fenster im Haus schließen. Macht absolut Sinn!

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Muschel im Schnee

Die Sonnenstrahlen bringen die Reste des Schnee´s am Wegrand zum Glitzern. In den Büscheln vertrockneter Grashalme, die aus dem Schnee heraus ragen und den vergangenen Sommer noch ahnen lassen, hat das milde Wetter von gestern den Schnee schon weg getaut. Nach dem Frost der kalten Vollmondnacht hat sich nun um die Grasbüschel herum, die wie verdorrte Inseln in der Glitzerpracht liegen,  eine Schneekruste gebildet.

Langsam gehe ich, wie so oft in den letzten Tagen, den Weg am Ufer entlang und hänge meinen Gedanken nach. Ich atme tief die frische Luft ein und spüre die angenehme Wärme der Sonnenstrahlen auf den Stellen meiner Haut, die ich nicht warm eingepackt habe, um sie vor den trotzdem noch winterlichen Temperaturen zu schützen.  Es ist noch früh am Morgen. Beim Frühstück habe ich den Sonnenaufgang gesehen und mich spontan entschlossen, mit der Kamera hinunter ans Wasser zu gehen. Ich habe Zeit. Eine Stunde, vielleicht anderthalb, dann muss ich mich auf den Rückweg machen. Könnte nur jeder Tag so entspannt beginnen!

Da sehe ich die Muschel. Sie steckt im Schnee, aufgeklappt, zwei Flügeln gleich, fast herzförmig, die Schale so dünn, dass das Sonnenlicht hindurch schimmert – irgendwie magisch. Sie wirkt zerbrechlich und fehl am Platz. Jeder könnte doch versehentlich auf sie treten und sie zerstören. Wie schade das wäre! Natürlich hat sie keinerlei Nutzen mehr, aber sie sieht so wunderschön aus. Ich gehe in die Hocke und betrachte sie von allen Seiten. Dann fotografiere ich sie. Ein Mann im Rollstuhl kommt vorbei und fragt mich, was es denn da so Interessantes zu sehen gibt. Ich antworte: „Ach, nur eine Muschel.“ Er hat wohl mit etwas anderem gerechnet und fährt weiter. Ich bin froh darüber, so kann ich alleine sein und die Muschel noch eine Weile bewundern.

Einen Moment lang denke ich daran, die Muschel mit in mein Zimmer in der Klinik und später mit nachhause zu nehmen, um diesen Augenblick des Findens, die Minuten des Bestaunens für mich zu bewahren. Später, wenn sie einen Platz bei mir daheim gefunden hat, würde sie mich erinnern an die Zeit hier, die Spaziergänge, die Menschen, denen ich begegnet bin. Ich könnte sie in die Hand nehmen und die Ruhe nachempfinden, die mir bei meinen Spaziergängen so gut getan hat. Doch ich lasse die Muschel liegen. Sie gehört mir nicht. Ich würde anderen Menschen die Chance nehmen, sie zu entdecken und sich daran zu erfreuen. Außerdem sieht sie so wunderschön aus, wie sie da im Schnee liegt und von der Sonne beschienen wird …

Am Abend ergab es sich, dass ich jemandem von dem Muschelfund erzählen konnte. Es war mir ein Bedürfnis und die Worte kamen einfach so aus meinem Inneren heraus gesprudelt. So unbedeutend und belanglos meine kleine Entdeckung auch erscheinen mag, so gerne teilte ich meine Empfindungen und Gedanken darüber mit einem mir sympathischen Menschen, von dem ich annahm, ebenfalls Sinn für die Schönheiten der Natur zu haben, was sich im Gespräch bestätigte. Ich versuchte Größe, Farbe, die Strukturierung der Muschelschale und wie das Sonnenlicht hindurch schimmerte bildhaft zu beschreiben, dabei sah ich die Muschel im Schnee noch einmal vor mir – wie die Flügel eines Engels …

Am nächsten Tag war die Muschel weg.

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