Zwischen altem Krimskrams …

… fand ich doch neulich tatsächlich mein nach der Währungsunion nicht mehr verwendbares Scheckheftchen aus DDR-Zeiten. Wie winzig wie es doch ist. Mir wurde ganz nostalgisch zumute, als ich es in den Händen hielt.

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Heute erledige ich fast alle Einkäufe mit EC-oder Visa-Karte, Vieles auch online. Fast hatte ich vergessen, wie das damals war. Zwei, drei Schecks hatte ich immer bei mir, manchmal auch das ganze Heftchen. Schließlich wusste man nie, was es plötzlich zufällig irgendwo zu kaufen gab, wonach man schon ewig gesucht hat. Da war es wirklich sinnvoll, wenn man sein Scheckheftchen einstecken hatte. Vorausgesetzt natürlich das Konto war gedeckt 😉

Als ich Ende der 70er Jahre mal in Berlin war, hatte ich Glück, dass ich genug Bargeld dabei hatte (als Schülerin hatte ich natürlich noch kein eigenes Konto). In den Ferien hatte ich drei Wochen im Schraubenkombinat, der ESKA, in der Kreisstadt gearbeitet und zusätzlich eine Woche als Ferienhelfer in einem Ferienlager, dadurch war ich ziemlich „flüssig“.

Im Kaufhaus am Alexanderplatz gab es zufällig RG28 und richtig guten Jeansstoff. Was für ein Zufall! Ich fackelte nicht lange und war sehr froh über meine Einkäufe. Noch mehr freute sich meine  Mutter, denn vorher hat sie alles mit der Hand gerührt bzw. das Rühren und Schlagsahne schlagen mir oder meiner Schwester übertragen – die reinste Strafarbeit war das! Nun lag ich ihr außerdem nicht mehr ständig in den Ohren, weil ich keine gescheite Hose hatte – dieser Fall wäre ja nun auch bald erledigt.

Aus dem Stoff hat der Schneider im Dorf mir eine richtig schicke, hautenge Jeanshose genäht und außerdem hat der Stoff noch für eine damals modische  Weste gereicht. Die besitze ich heute noch. Auch wenn ich längst nicht mehr rein passe, habe ich es doch nie übers Herz gebracht, sie wegzuwerfen.

Weste

Die Hose existiert nicht mehr. Irgendwann war sie total zerschlissen – meine einzige Jeanshose – richtig mit Nieten und so, ich war sowas von stolz. Mutti hatte ihre liebe Not damit, sie nach dem Waschen und Schleudern schnell wieder trocken zu kriegen, sonst hatte ich nichts anzuziehen, behauptete ich, denn seit ich sie hatte, trug ich nur noch diese Hose. Sonst hatte ich nur DDR-Niethosen – lach – weil ich immer zu spät in die Jugendmode kam, wenn alles in meiner Größe schon längst ausverkauft war. Pech halt!

Ich kann mich nicht erinnern, dass es EC- oder Kreditkarten gab. Vielleicht habe ich das aber auch nur vergessen. Kurz bevor ich mein erstes eigenes Geld verdiente, eröffnete ich mir ein Konto bei der Sparkasse. Wenn ich Geld gebraucht habe, dann holte ich es mir in der Bank am Schalter ab oder ich bezahlte mit Schecks. Andere Optionen hatte ich nicht.

Ach doch, ich hatte ja noch mein Sparbuch. Allerdings war ich besser im Geld ausgeben, als im Geld anhäufen.

Da fällt mir ein, dass ich noch ein altes Sparbuch meiner Mutter gefunden habe. Es ist aus der Zeit des 2. Weltkrieges und wurde kurz nach ihrer Geburt für sie eröffnet.

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Auf jeder Seite des Sparbuches stehen unten so sinnige Sprüche wie:

Spargeld macht das kaufen leicht. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert. Ein sparsam Volk – ein starkes Volk. Tag für Tag ein wenig sparen – macht ein Viel in langen Jahren. Wahres Glück liegt allezeit in Arbeit nur und Sparsamkeit. Deutsche Art bewahrt, wer arbeitet und spart.

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Als ich das Sparbuch das erste Mal in den Händen hielt, war ich sehr gerührt und versuchte mir vorzustellen, wie das Leben während der Zeit des 2. Weltkrieges  für meine Oma gewesen sein muss, als Opa an der Front und danach in Gefangenschaft war, als sie fast alleine unsere Landwirtschaft und das Viehzeug zu versorgen hatte, den Haushalt führen, die Kinder aufziehen musste und bestimmt viele Sorgen und Ängste hatte. Trotzdem konnte sie noch etwas für ihre Kinder sparen  … Schade, dass ich sie das alles nicht mehr fragen kann.

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Schweine

Gestern gab es Sauerkraut mit Eisbein. Ja, ich weiß, ist gar nicht gesund und passt überhaupt nicht in die Fastenzeit. Allerdings faste ich auch nicht. Aber am Sonntag essen wir schon ab und zu ganz gerne mal deftig.

Ich hatte das Eisbein beim letzten Schlachten eingefroren und fand, dass es nun an der Zeit war, es endlich aufzuessen. Am Vorabend hatte ich es schon in reichlich Wasser mit Gewürzen und Suppengrün abgekocht, bis das Fleisch so weich war, dass es fast vom Knochen fiel. Gestern war die Brühe so richtig schön geliert. Ich gab das Sauerkraut dazu, noch ein Lorbeerblatt, ein paar Wacholderbeeren und etwas Zucker und der Geschmack war perfekt, mehr war gar nicht nötig, da das Kraut schon vorgewürzt war. Das Fett der beiden Eisbeine ritzte ich im Karodesign ein und ab damit in die Röhre. Während das alles so vor sich hin brutzelte, kochten schon die Kartoffeln für den Kartoffelbrei (eigentlich sollte es Wickelklöße (altes Rezept meiner Oma, total lecker zu Sauerkraut) geben, aber dann hatte ich doch eher Appetit auf Kartoffelbrei) und ich hackte Zwiebeln, die ich dann in Butterschmalz röstete.

Während dessen musste ich an meine Kindheit und Jugend denken. Als ich noch klein war, hatten wir mehrere Schweine auf unserem Hof. Da gibt es ein Foto, da füttere ich unsere Ferkel, die mitten im Hof herum laufen. Später hatten wir keine eigene Landwirtschaft mehr und hielten uns nur noch ein Schwein im Jahr, das dann geschlachtet wurde, wenn es soweit war. Dieses Schwein bekam dann immer einen Namen. Wir sagten dann nicht: „Ich füttere das Schwein.“ sondern „Ich füttere den Kurti.“ oder wie auch immer er hieß. Einmal hieß unser Schwein Eduard (frei nach Karl Eduard von Schnitzler) und ein anderes Mal Honni (abgeleitet von Honnecker). Das durfte aber niemand außer unserer Familie so genau wissen, schließlich wollten wir nicht im Knast landen, denn die Stasi hatte ihre Lauscher überall. Wir meinten das natürlich überhaupt nicht böse mit den Namen, Opa fand es sogar sehr lustig. Wie auch immer – Napoleon und Kolumbus waren da eher unverfänglichere Namen. Jedenfalls wurde unseren Schweinen am Ende allen kurzer Prozess gemacht – egal wie sie hießen.

Wir hatten immer nur männliche Tiere, das wollte der Opa so. Opa war auch der Metzger. Er hat nicht nur unser Schwein geschlachtet sondern auch die Scheine von anderen Leuten im Dorf. In den Wintermonaten hat er nicht selten 7 Tage in der Woche irgendwo geschlachtet. Er hat 20 Mark am Tag bekommen, manchmal auch 25 Mark.

Die Schweine hatten damals noch Ringelschwänzchen. Die wurden nach dem Totmachen abgeschnitten und heimlich irgend jemandem, der beim Schlachten mit geholfen hat, mit einer Sicherheitsnadel hinten dran gesteckt. Das fanden wir Kinder natürlich total lustig, aber wir durften nichts verraten.

Eins der älteren Kinder wurde dann irgendwann im Laufe des Tages los geschickt, um in der Nachbarschaft das „Bratwurstmaß“ zu holen. Natürlich gibt es so ein Ding überhaupt nicht. Also wurde von den eingeweihten Nachbarn ein Tragkorb mit Heu und Ziegelsteinen gefüllt und dem Unwissenden auf den Rücken gesetzt. Dann wurde ihm noch mit rußgeschwärzten Händen ein paar Mal über die Wangen gestrichen und seine Tüchtigkeit gelobt und dass er ja schön vorsichtig sein soll beim Tragen des Bratwurstmaßes. Solche Streiche und ähnliche wurden gespielt. Das gehörte einfach dazu und wenn einer keinen Spaß vertragen konnte, dann hatte er eben Pech.

Ich habe mich immer gefreut, wenn endlich das Fleisch für die Rotwurst geschnitten wurde und ich mein Stück Nierchen und etwas mageres Kopffleisch oder Wellfleisch auf den Teller bekommen habe. Dazu gab es einfach nur Salz und trockenes Brot, das war lecker.

Und immer wenn ich jetzt Fleisch abkoche für eine Suppe und die Düfte in meine Nase steigen, dann erinnere ich mich an die Schlachtgerüche  meiner Kindheit und die alten Geschichten fallen mir wieder ein. Ich sehe meinen Opa Hugo vor mir und überlege mir Namen für Schweine, die ich nie haben werde – und da fallen mir soooooo viele Namen ein…

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Das bin ich in unserem Hof 1965

305280_274146419284615_1873900018_n Und so sehen Wickelklöße auf Sauerkraut aus. Rezept: 2 Eier, Wasser (Menge nach Gefühl) und Salz mixen, 1 Pfund Mehl und 1 Backpulver darunter kneten, einen halben cm dünn ausrollen. Die Teigplatte in ca. 5 cm breite Streifen schneiden und diese schneckenförmig aufrollen. Die Wickelklöße auf das fertige Sauerkraut setzen oder in einen extra Topf über Dunst ca. 10 min dünsten lassen. Sie werden dabei etwas dicker und lockerer.

Guten Appetit.