Für alle Fälle ausgerüstet

Eine Woche Ostseeurlaub lag vor mir – wie schön. Seit Wochen freute ich mich auf meine jährliche „Auszeit“ vom Alltag und natürlich wollte ich perfekt vorbereitet sein. Wie die Jahre vorher hatte ich Matratze, Kopfkissen und Schlafsack ins Auto gepackt sowie was zu essen und Klamotten für alle Wetterverhältnisse. Für den Strand sollte meine uralte Strandmuschel als Schutz vor Wind und eventuellen  Regenschauern herhalten, ich hatte sie extra ganz frisch imprägniert. Als ich sie vor Abreise probeweise im Hof aufgestellt hatte, fielen mir die Ostseeurlaube mit den Kindern ein, wie lang das schon wieder her ist …

Nicht zu unterschätzen bei all den Reisevorbereitungen ist der ganze Kleinkram, den man beim Autocamping braucht (oder auch nicht). Wasserkanister, Wäscheleine und -klammern, Campinglampe, Ersatzbatterien, Insektenspray, Regenschirm, Klopapier, Essbesteck usw. usw. Auch heuer wieder die größte Herausforderung für mich und die ewige Frage:  Hab ich an alles gedacht? Ich hatte nicht! Das fiel mir aber erst ein, als ich schon unterwegs war. Kondome! Wie konnte ich nur die Kondome vergessen? Ohne geht gar nicht, nicht am Meer! Sie sind definitiv ein absolut unverzichtbarer Bestandteil meiner Reiseausrüstung, die Dinger sollte man auf gar keinen Fall vergessen, wenn man schwerwiegende Folgen vermeiden will. Schon der Sicherheit wegen. Okay, dann musste ich mir also noch schnell welche besorgen.

Die ersten drei Nächte, bevor es weiter Richtung Ostsee gehen sollte, verbrachte ich recht komfortabel in einem schicken Gasthof nahe Treffurt. Als Mitglied eines Forums hatte ich mich zum jährlichen Treffen mit anderen Teilnehmern verabredet, um ein interessantes Wochenende zu erleben. Bis zum Beginn des Treffens am Freitagnachmittag, blieb mir noch genügend Zeit, um eine kleine Spritztour durch die Gegend zu unternehmen. An einem Supermarkt hielt ich an, um mir ein paar Getränke und die absolut unverzichtbaren Kondome zu kaufen. Die Getränke fand ich schnell, die Kondome nicht. Wo findet man sowas überhaupt im Supermarkt? Keine Ahnung! Vielleicht im Regal bei den Kosmetikartikeln für Männer? Fehlanzeige. Zwischen Duschbad, Rasierschaum, Aftershave, Deospray u.a. war nichts zu finden. Hmmm, die Dinger wird’s doch hier irgendwo geben? Da ich keine Lust hatte, mit der Suche noch mehr Zeit zu verplempern, fragte ich eine Verkäuferin, die geschäftig mit einer Kollegin ein Regal umsortierte. „Entschuldigen sie bitte, wo find ich hier denn Kondome?“ Der Kopf der anderen Verkäuferin schnellte beim Ausspruch des Wortes „Kondome“ sofort zu mir herum. Zwei neugierige Augen musterten mich unverhohlen und mit viel Interesse an meiner Person von oben bis unten (der ihr Kopfkino hätte mich mal interessiert …), während die andere mir freundlich mitteilte, dass die im Regal hinter der Kasse stehen. Ich bedankte mich, warf der glotzenden Verkäuferin einen vielsagenden Blick zu, stöberte noch ein bisschen bei den Zeitschriften rum und lenkte meinen Einkaufswagen zielstrebig Richtung Kasse. Es waren zwei Kassen besetzt. Ich stellte mich an der Kasse an, hinter der ich das betreffende Regal sah. Vor mir war nur eine Kundin, die ihrem Einkauf nach zu urteilen entweder für eine Großfamilie einkaufte oder sich mit Lebensmitteln eindeckte, um für eine bevorstehende Katastrophe gerüstet zu sein. Zeit für mich die verschiedenen Verpackungen zu beäugen und schon eine Vorauswahl zu treffen. Alle möglichen Farben und ein paar Geschmacksrichtungen standen zur Auswahl. Ich wusste genau, was ich wollte: farblos und ohne Geschmack. Als meine Vorgängerin endlich das Band abgeräumt hatte und ich an der Reihe war, äußerte ich mein Begehren und es schien mir, als ob die Dame leicht errötete und erleichtert war, dass ich genau wusste, was ich wollte und ihr dadurch eine ausführliche Beschreibung der Vorzüge der einzelnen Produkte erspart blieb. „Ja Hilfe, ist das so außergewöhnlich, dass hier jemand Kondome einkaufte? Am Ende sind die noch überlagert und halten den kommenden Belastungen nicht mehr stand?“ mutmaßte ich. Oder lag es daran, dass ich eine Frau bin? Ich kam mir ja fast schon frivol vor! Obwohl – eigentlich kann ich mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal welche gekauft hatte. Bestimmt schon hundert Jahre her oder so. Bisher bin ich immer ohne sie in den Urlaub gefahren – wie leichtsinnig von mir! Ts ts ts, geradezu unglaublich!

Zurück in meinem Gasthof holte ich eins aus seiner Verpackung. Das schlabbrige Ding baumelte, nachdem ich es aufgerollt hatte, lustlos zwischen Daumen und Zeigefinger und ich stellte fest, dass ich es sooo definitiv nicht verwenden konnte. Zuerst musste mal dieses glitschige Zeugs da ab. Vorsichtshalber packte ich noch ein zweites Teil aus, immer besser, wenn man einen Ersatz parat hat so für alle Fälle, ne? Im Waschbecken behandelte ich die beiden Teile dann rigoros mit warmen Wasser und Seife, stülpte sie ein paar Mal um, spülte sie dann sorgsam mit klarem Wasser aus und trocknete sie mit einem Handtuch vorsichtig von außen und innen, indem ich sie nochmal umstülpte. Es schienen alle Reste des Gleitgels beseitigt zu sein, prima! Ich legte die beiden Kondome nebeneinander auf die Armlehne eines Stuhls, damit sie über Nacht vollständig trocknen konnten. Sah schon irgendwie komisch aus, wie die zwei Dinger da rum hingen und ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Unter keinen Umständen durfte ich vergessen, sie am nächsten Morgen vor dem Verlassen des Zimmers abzunehmen und im Schrank zu verstauen. Was würde sonst das Personal vom Zimmerservice denken!?

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Am nächsten Tag stand eine Busfahrt in einem historischen Bus auf dem Plan. Bei einem Stopp in Eisenach spazierten wir durch die Fußgängerzone. Das Wetter war perfekt. Wir schleckten Eis, beobachteten dabei ein Brautpaar, das aus einem Gebäude hinter der Kirche kam und von den Gästen gratuliert wurde. Als gegen Ende der Zeremonie rote Herzluftballons gen Himmel stiegen … Unwillkürlich runzelte sich angestrengt meine Stirn. Da war doch was? Luftballon – Ballon – Blasen – Gummi … NEIN! Ein kalter Schauer des Schreckens überlief mich. Die Kondome! Ich hatte sie vergessen! Wie doof aber auch! „Jetzt denken die im Hotel, dass ich geizig bin oder verrückt oder pervers oder was weiß ich. Ich werde bei Nacht und Nebel auschecken müssen, damit ich keinem mehr in die Augen schauen muss!“ schoss es mir durch den Kopf. Oder ganz cool tun: „Wieso, ihr benutzt die wohl nur einmal? Was für eine Verschwendung. Man muss doch auch mal an die Umwelt denken!“ Den Rest des Tages war ich mir nicht sicher, ob ich über mein Versäumnis lachen oder mich peinlich berührt fühlen sollte.

Zurück im Gasthof stellte ich

  1. fest: Sie hingen noch über der Armlehne.
  2. dass es sich hierbei um eine echt außergewöhnliche „Deko“ handelte und
  3. musste ich laut loslachen. Lachen ist sowieso meist das beste Mittel gegen Peinlichkeiten.

Am übernächsten Tag, ich aalte mich entspannt am Ostseestrande, sah ich doch tatsächlich ein Pärchen, das belustigt damit beschäftigt war, Kondome über ihre Handys zu stülpen. Na also, bin ich nicht die Einzige hier am Strand, die dieses Video auf YouTube gesehen hat. Ich muss euch sagen, mein Handy hat sowohl Sand als auch Nässe am Strand unbeschadet überstanden. Dank sorgsam gewaschener, elegant übergestülpter und fest verknoteter Überzieher. Da kommt nix rein und der Anblick ist – naja – sagen wir mal – irgendwie besonders  😉

Also wundert euch nicht, wenn ihr an der Wäscheleine in unserem Hof frisch gewaschene Kondome hängen seht – immerhin geht es auf den Winter zu. Was gegen Sand gut ist wird auch bei Schnee helfen, gelle?

Grad denke ich darüber noch, ob man Kondome nicht auch anderweitig verwenden kann. Ihrer Form nach könnt ich mir gut vorstellen, sie im Notfall auch zur Verhütung zu verwenden, oder?

Für Luftballons gab´s keine Grenzen

Zur Kartoffelernte im Herbst 1964 fand meine Oma nicht nur jede Menge Kartoffeln auf dem Feld, die sie eifrig in ihren Korb sammelte, zum Einen, um ihrer Arbeit als LPG-Bäuerin nachzugehen und zum Anderen, um den sozialistischen Plan wieder mal über zu erfüllen. Sie fand auch noch etwas ganz Anderes, etwas, was da gar nicht hin gehörte auf so ein sozialistisches Kartoffelfeld – die Reste eines längst nicht mehr sehr ansehnlichen, aber doch noch deutlich als solchen erkennbaren Luftballons. Und das Besondere an ihm war: Es hing ein Kärtchen daran, auf dem etwas stand. Meine Oma war nicht dumm, erfasste rasch die Situation, kombinierte in einem Bruchteil einer Sekunde die Tatsache, der kann nur von „drüben“ sein (Sherlock Holmes wäre höchst beeindruckt gewesen!) und ruck-zuck war das „Corpus Delicti“ unter ihrer Schürze verschwunden.

Ein unauffälliger Blick in die Runde folgte. Hatte sie auch ja keiner beobachtet? Um Himmels Willen, bloß das nicht! Aber die anderen Frauen waren alle in ihre Arbeit vertieft und sammelten mit gebeugten Rücken fleißig Kartoffeln in die sozialistischen Planwirtschaftskörbe. Der Traktorist hatte gerade mit seinem „Pionier“ einen leeren Hänger für die „Erdäpfel“ gebracht und war ebenfalls beschäftigt. Alles gut! Also weiter im Takt der Volkswirtschaft.

Erst am Abend zuhause wurde das Fundstück näher begutachtet und festgestellt, auf dem Kärtchen stand eine Adresse, vermutlich handelte es sich um ein Kind, dass an einem Ballonwettbewerb teilgenommen hatte. Aber die Adresse! Aus dem Westen! Hui, das war ein heißes Eisen und musste deshalb unter strengster Geheimhaltung an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, bis ein endgültiger Beschluss über die weitere Verfahrensweise im engsten Familienrat getroffen wurde.

Die Entscheidung war zu treffen zwischen

  1. Senden einer Antwort an den Absender oder
  2. dem Vernichten des Ballonrestes und seines Anhanges und so-tun-als-wäre-nix-gewesen.

Variante zwei wäre die für einen im Denken und Handeln sozialistisch geprägten Staatsbürger der Deutschen Demokratischen Republik die einzige akzeptable und richtige Verhaltensweise gewesen. Scheinbar waren das weder meine Großeltern noch meine Eltern. Denn dies hätte unverzügliches Handeln voraus gesetzt. Pustekuchen:

Die nächsten Abende wurde beratschlagt, abgewogen, hin und her diskutiert. Man neigte inzwischen dazu, dem Kindchen, das sicherlich auf eine Antwort wartete und vielleicht einen Preis gewinnen würde, zu schreiben. Da gab es nur noch zwei Probleme. Das erste Problem war, dass die Post in den Westen kontrolliert wurde. Daraus ergab sich das zweite Problem. Der Sohn meiner Großeltern war bei den Grenztruppen in Streufdorf, hatte sich freiwillig für 10 Jahre verpflichtet. Wenn die Sache aufflog, würde er dann rausfliegen?Ballon 001

Letztendlich hat meine Mutter dann doch einen Brief geschrieben, ohne Rücksicht auf ihren Bruder zu nehmen. Der Brief kam an und bald eine Antwort aus dem Hessischen mit der Geschichte des Ballons zurück.

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Es entstand eine herzliche Brieffreundschaft. Später, als mein Opa Rentner war, besuchte er einmal im Jahr die Familie in dem Dorf in Hessen und Ende der 70er Jahre, wir waren damals zum Glück nicht mehr im Sperrgebiet, besuchten sie uns zum ersten Mal und von da an immer wieder. Nie hätten meine Eltern gedacht, dass so ein Besuch umgekehrt auch mal möglich sein würde, dass der „Eiserne Vorhang“, der Deutschland trennte, noch in diesem Jahrtausend fallen würde – das wusste nur mein Opa, der wusste immer schon alles vorher, dafür hatte er so ein gewisses Gespür … 😉

Als meine Mutter nach der Wende Einsicht in ihre Stasi-Akte beantragt hatte, fand sie bei den Dokumenten u.a. Kopien der ersten Briefe an diese Familie. Also wurden die Briefe tatsächlich geöffnet und gelesen, bevor sie weiter geleitet wurden. Egal aus welcher Richtung sie kamen. Man möchte sich heute noch fremdschämen dafür … Mutti hat natürlich darauf geachtet, was sie geschrieben hat, denn sie wollte ja nicht, dass die Briefe einbehalten und vernichtet wurden. Ihrem Bruder sind nie irgendwelche Schwierigkeiten aus dieser sich anbahnenden Freundschaft erwachsen.

Noch heute sind meine Eltern mit dieser Familie und ihren Angehörigen sehr herzlich verbunden und pflegen den Kontakt. Bei Familienfeiern gehören sie wie selbstverständlich mit dazu.

Was für eine wunderbare Bereicherung unseres Lebens!

Wie schade, dass die Oma schon so früh gestorben ist und das alles nicht mehr erleben durfte. Könnte ich ihr einen Ballon in den Himmel schicken, dann würde ich einfach nur auf das Kärtchen schreiben:

Danke, Oma, wir alle denken an dich!

Kindergeburtstage

Jeden Tag um halb 8 machte ich mich auf den Weg in den Kindergarten. Ich hatte meine Brottasche dabei, sie war aus Leder, rot, hatte einen Drehverschluss aus Metall und es passte genau meine Brotbüchse hinein.

Ich brauchte keinen großen Rucksack, obwohl ich einen besaß. Allerdings hieß der Rucksack im Sprachgebrauch der DDR-Kinder „Campingbeutel“. Meiner war aus rot-grau-beige-kariertem Stoff, der Boden, die Verschlussklappe und die Träger waren aus schwarzem Kunstleder. Er wurde nur für Wandertage und Ausflüge hervorgeholt und machte diese damit zu etwas Besonderem.

In der Brotbüchse befanden sich mein Frühstücks- und mein Vesperbrot sowie etwas Obst. Während ich schreibe, erinnere ich mich an den Geruch des Leders meiner Brottasche und daran, dass ich immer meine liebe Not damit hatte, die beiden Teile der nierenförmigen Brotbüchse zu öffnen und zu schließen. Nicht selten lag deshalb mein Brot auf dem Fußboden und die anderen Kinder an meinem Tisch haben mit mir darüber gelacht. Ich habe das Brot aufgehoben, auf meinen Teller gelegt und nach dem Tischspruch aufgegessen, als ob nichts gewesen wäre. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, mein Brot wegzuwerfen, weil es auf dem Boden lag. Was für ein Wunder, dass ich trotzdem noch lebe!

Ich kann mich nicht erinnern, ob es in meiner Kindergartenzeit schon Papiertaschentücher gab. Ich hatte jedenfalls täglich ein sauberes Stofftaschentuch dabei. Weil ich nicht in allen Kleidern eine Tasche hatte, häkelte mir meine Mutter sogenannte „Taschentuchtäschchen“ zum Umhängen. Auch alle anderen Mädchen im Kindergarten hatten solche Täschchen. Ich hatte mehrere in verschiedenen Farben und fand das totschick. Wir haben es tatsächlich fertig gebracht, die ganze Kindergartenzeit zu überstehen, ohne uns an den Schnüren der Täschchen zu strangulieren 😉

Der schönste Tag im Jahr war mein Geburtstag. Ich durfte an diesem Tag ausnahmsweise einmal anziehen, was ich gerne anziehen wollte und nicht das, was mir meine Mutter am Abend zuvor hingelegt hat (diesbezüglich gab es bei uns keinerlei Diskussionen). Meistens suchte ich mir mein Lieblingskleid mit dem dazu passenden Taschentuchtäschchen aus (siehe Foto) und freute mich schon auf den Kindergarten.

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Die Geburtstagsfeier war einfach gestaltet und dennoch so eindrucksvoll, dass ich mich auch nach so vielen Jahren noch gut daran erinnern kann.

Die Kinder saßen im Stuhlkreis um mich herum. Auf dem kleinen Tisch in der Mitte stand ein roter, mit kleinen Blümchen bemalter Holzring mit Kerzen, ein paar Blümchen von der Wiese und eine kleine, aus Papier gefaltete Schachtel, in der ein Luftballon und ein paar Bonbons waren. Ich saß auf dem Geburtstagsstuhl vor diesem Tisch in der Mitte des Stuhlkreises und nacheinander durfte jeder gratulieren und mir etwas wünschen. Es wurde das obligatorische Geburtstagslied „Weil heute dein Geburtstag ist“ gesungen und dann durfte ich mir noch eine Geschichte oder ein Spiel aussuchen (ich habe mich immer für eine Geschichte entschieden) – ach, war das schön!

Zu jedem Geburtstag gab es Kuchen mit Schokoladenguss und bunten Streuseln darauf. An anderen Kuchen kann ich mich nicht erinnern. Und ich glaube, dass die Mütter schon lange vor den Geburtstagen ihrer Kinder in den Kaufhallen nach den bunten Streuseln Ausschau hielten …

Aber das Besondere waren nicht die Geschenke und der Kuchen. Es war einfach so wunderbar, an diesem Tag der wichtigste kleine Mensch in der Kindergartengruppe zu sein und das auch zu spüren.

Viele Jahre später, als ich schon selber meine Ausbildung zur Kindergärtnerin absolvierte, hatte ich während eines Praktikums eine Geburtstagsfeier für ein Mädchen vorzubereiten und zu gestalten. Meine Mentorin sollte meine Leistung im Anschluss mit einer Note bewerten. Die Mutter der kleinen Janina arbeitete übrigens auch als Erzieherin im gleichen Kindergarten.

Ich gab mir sehr viel Mühe, nicht nur weil ich eine gute Note haben wollte. Immer wieder erinnerte ich mich an meine Kindergeburtstage und ließ diese Erinnerungen in meine Arbeit einfließen. Janina fühlte sich als Mittelpunkt und alle Kinder begegneten ihr sehr liebevoll und aufmerksam. Es war eine wunderbare Stimmung in der Gruppe. Während des Höhepunktes der Geburtstagsfeier für Janina, sie durfte sich ein Kind aussuchen und mit ihm zu ihrer Lieblingsmusik tanzen,  ging plötzlich leise die Tür auf und ihre Mutter beobachtete eine Zeit lang unbemerkt von ihrer Tochter das Geschehen. Die Mutter war so gerührt, dass sie Tränen in den Augen hatte. Janina`s  glückliches Gesicht und die Reaktion der Mutter waren meine Bestätigung und haben mich ebenfalls so richtig froh gestimmt.

Keine Ahnung, was ich damals für eine Note bekommen habe. Ich habe es vergessen, weil es nicht wichtig war. Wichtig war, dass es mir gelungen ist, Menschen glücklich zu machen.